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Cannabis-Lollys als Wurfmaterial im Karneval

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Genk – Im belgischen Genk hatten sich zwischen die Tonnen von Süßigkeiten, die im Karnevalszug geworfen wurden auch einige Cannabis-Lollys verirrt. Auf der Verpackung stand: „Cannabis Lollypop – Original Amsterdam“ unter dem Bild einer Cannabisblüte stand noch dazu „White Widdow“. Eltern reagierten empört, als sie sahen, was ihre Kinder da gesammelt hatten.

Machen nicht high - Cannabis Lollys - Photo CC-License by Shira Golding Evergreen

Machen nicht high – Cannabis Lollys – Photo CC-License by Shira Golding Evergreen

Dabei wird niemand von den THC-freien Lollys high. Das sagte dann auch Bürgermeister Wim Dries (CD&V): „Soweit wir das nachprüfen konnten, enthielten die Lollys  keine verbotenen Substanzen. Zur Sicherheit lassen wir die Süßigkeiten aber weiter untersuchen“.

Von welchem der Prunkwagen im Karnevalszug die Lollys geworfen wurden, konnte noch nicht ermittelt werden.

Das berichtet vandaag.be.

Kommentar: Nicht jeck sondern dumm

Das war nicht lustig. Ist es doch das Gegenteil – zumindest symbolisch, von dem was die Befürworter einer Legalisierung von Cannabis immer wieder predigen. Nämlich einen verantwortungsvollen Umgang und besseren Jugendschutz. Natürlich geht es hier nur gefühlt um Cannabis, denn außer dem Geschmack haben diese Lollys mit der „Droge“ Cannabis nichts zu tun. Doch trotzdem kann es keine schlechtere PR geben, als Kinder die Verpackungen die so aussehen (aus urheberrechtlichen Gründen konnte ich das Originalbild von den Lollys nicht hier einstellen, man kann es aber im Link der Quellenangabe ansehen) von der Straße aufsammeln.

Andererseits zeigt die Reaktion auf diesen Vorfall, der in einer aufgeklärten Welt keiner wäre, wie weit wir noch von einer gesellschaftlichen Akzeptanz von Cannabis entfernt sind. Denn Alkohol ist nicht nur gesellschaftlich, sondern besonders im Karneval das viel größere Problem. Diesem wird aber unhysterisch und noch oft verharmlosend begegnet. In Karnevalsumzügen werden auch gern mal kleine Likörfläschchen wie eine bekannte Feigenspirituose verteilt und wenn ein Kind mal eine Rumpraline erwischt, bricht wohl auch nicht gleich die Welt zusammen, obwohl da tatsächlich Alkohol enthalten ist.

Rosenmontag in Köln: Cannabis Alaaf!

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Der „Zoch vor dem Zoch“ hat in Köln Tradition, wenn auch erst seit 2007. In diesem Jahr nimmt die Kölner Hanfinitiative Cannabis Colonia gemeinsam mit den Pappnasen Rotschwarz, Attac, Occupy Köln und vielen anderen Untergrundjecken an der satirisch-politischen Demonstration teil, die dem Kölner Rosenmontagszug auf der gesamten Strecke vorausläuft. Mehr Menschen werden sonst in Köln an keinem Tag des Jahres durch eine Demonstration erreicht. Im Gegensatz zum Rosenmontagszug besteht der Zoch vor dem Zoch (Zug vor dem Zug) nicht aus geschlossenen Gruppen. Demotypisch kann jeder kurzentschlossen teilnehmen.

Cannabis Colonia HeaderDie Ursprünge des rheinischen Karnevals in der heutigen Form sind politisch. Spätestens in der Zeit der napoleonischen Besatzung im Rheinland, hat die Session ihren Fokus auf den politischen Protest verlagert. Mit der Adaption  des katholischen Brauchtums, konnte man einmal im Jahr die herrschenden Besatzer ungestraft verhohnepiepeln. Man machte sich über die lustig, unter deren Knute man ansonsten das ganze Jahr über kuschen musste – und auch der Spaß kam dabei nicht zu kurz. In den Tagen vor dem Fasten herrschte Anarchie und vieles, was sonst gegen die Konventionen verstieß war dann erlaubt.

Heute ist vielen dieser Ursprung der rheinischen Tradition nicht mehr bewusst. Durch die Einflussnahme der Nazis und die Infiltration des Karnevals durch die herrschenden Schichten des Bürgertums seit den spießigen 1950er Jahren, hat der Karneval viel von seinem revolutionären Potential eingebüßt. Seit Jahrzehnten beschränkt sich die politische Dimension auf Karikaturen von Bundespolitikern der etablierten Parteien (zu denen ein Großteil der Mitglieder der Traditionsvereine, wie den roten Funken in Köln, selbst gehören), die als Pappfiguren am Zug teilnehmen. Die Kritik wurde dabei immer harmloser und selbst gute Vorlagen wie z.B. Brüderle werden dieses Jahr ignoriert. Der offizielle Karneval ist also harmlos und spießig geworden und ist damit das Gegenteil der Ursprungsidee des rheinischen Karnevals, der immer von unten kam.

Zoch vor'm Zoch - Photo Occupy Cologne

Zoch vor’m Zoch – Photo Occupy Cologne

Diesen alten Ansatz hat die linke Bewegung G8-Pappnasen (heute Pappnasen Rot-Schwarz) 2007 wieder aufgegriffen und organisiert seitdem den Zug vor dem Zug. Eine legal als Demonstration angemeldete Veranstaltung, die gleich vor dem offiziellen Rosenmontagszug in Köln auf derselben Zugstrecke stattfindet. Aufgrund dessen hat der Zug vor dem Zug das gleiche Publikum wie der eigentliche Rosenmontagszug. Seit Jahren schon nehmen neben der Kölner Attac-Gruppe auch Occupy Cologne und weitere linke Mitstreiter am Zoch vor dem Zoch teil, um auf die gesellschaftlichen Missstände durch den Turbo-Kapitalismus und die Herrschaft der Finanzeliten aufmerksam zu machen. Dieses Jahr unter dem Motto: „Ömverdeile deit Nut, he un am Zockerhut“ (Umverteilen dass tut Not, hier und am Z(o)ckerhut – in Anlehnung an das offizielle Motto: „Fastelovend em Blot, he un am Zuckerhot“ (Karneval im Blut – hier und am Zuckerhut). Interessanter Nebenaspekt des Karnevals ist auch, dass ein Vermummungsverbot an diesem Tag kaum durchsetzbar ist.

In diesem Jahr nimmt erstmals die Kölner Hanfinitiative Cannabis Colonia, die es seit Ende 2011 gibt und die im letzten Jahr weiter gewachsen ist, an dieser außergewöhnlichen Demo teil. „In erster Linie wollen wir die ganz normalen Zuschauer am Wegesrand darauf aufmerksam machen, dass Cannabis zur Gesellschaft gehört, aber genauso, dass Menschen Cannabis als Medizin brauchen aber dieses nicht bekommen, oder nicht bezahlen können. Selbst im liberalen Köln besteht im Bezug auf Cannabis noch viel Aufklärungsbedarf“, sagt Sofia Cugusi, Gründungsmitglied von Cannabis Colonia, deren Ziel ein lokaler Cannabis-Club ist, wo sich Mitglieder fernab des kriminellen Milieus mit selbstangebauten Hanfprodukten versorgen können. Auch die steuerlichen Vorteile eines legalen und kontrollierten Umgangs mit Hanf werden thematisiert. Der Verein hat bisher Aktionen wie die Dampfparade (in Anlehnung an die Hanfparade in Berlin) organisiert und ist in Köln und im Umland recht aktiv.

„Ich bedanke mich bei allen, die uns bisher unterstützt haben und weiterhin unterstützen werden“, sagt Sofia Cugusi. „Die Arbeit auf der Straße – also Infostände, Demonstrationen und vieles mehr sind sehr wichtig, um die Öffentlichkeit für unser Projekt zu gewinnen. Karneval mal anders feiern: Mittendrin statt nur dabei – außerdem kann man an keinem anderen Tag im Jahr ein so großes Publikum in Köln erreichen“, fügt Cugusi an. Der größte Karnevalsumzug in Deutschland erfreut sich jedes Jahr ca. einer Million Zuschauer und verläuft ungefähr vier Stunden lang über eine Strecke von sieben Kilometern.

Zugleiter Christoph Kuckelkorn hat eine Anfrage des Cannabis Colonia e.V. zur offiziellen Teilnahme am Rosenmontagszug leider eine Absage erteilt. Er wies darauf hin, „dass Hanf nicht traditionell in unserer Karnevalskultur verankert ist.“ Sofia Cugusi bezweifelt die Aussage von Kuckelkorn und verweist auf den kölschen Hit der Band Brings: „Superjeile Zick“ in dem die erste Zeile lautet: „Mach noch ens die Tüt an“ (Zünde nochmal die Tüte an).

Kurzentschlossen kann sich jeder dem Zoch vor’m Zoch anschließen. Treffpunkt ist am Rosenmontag um 9 Uhr morgens am Severinswall in Köln zwischen „Früh em Veedel“ und Altenburgerstraße. Damit 1 ½ Stunden früher als die Aufstellung zum offiziellen Zug, der um 10:30 Uhr beginnt.

Alle aktuellen Informationen zum Zoch vor dem Zoch am Rosenmontag in Köln findet man auch hier auf Facebook. Wer sich im Vorfeld ein Bild vom Zoch vor dem Zoch machen möchte, findet einen kleinen Eindruck im eingefügten Video.

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